Formation der Granitischen Molasse

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Darstellung und Status

Index
m1
Farbe CMYK
(0%,13%,17%,8%)
Farbe RGB
R: 235 G: 205 B: 195
Rang
lithostratigraphische Formation
Gebrauch
Element ist in Gebrauch
Status
informeller Begriff
SKS-Notiz

Informell da der Begriff nicht auf einen Ortsnamen gestützt ist.

Diskussion des Status

Nomenklatur

Deutsch
Formation der Granitischen Molasse
Français
Formation de la Molasse granitique
Italiano
Formazione della Molassa granitica
English
Formation of the Granitic Molasse
Herkunft des Namens

Die Bezeichnung «granitisch» bezieht sich auf den hohen Gehalt an Quarz-, (roten) Feldspat- und Glimmerkomponenten sowie den geringen Anteil an Karbonat.

Historische Varianten

Granitische Molasse (Studer 1853, Kaufmann 1860, Gutzwiller 1877, Mollet 1921, Baumberger 1925, Fröhlicher 1933, Haus 1937, Matter 1964, Gasser 1966, Müller 1971, Schlancke 1974, Schlunegger et al. 1993), Granitischer Sandstein, Formation der Granitischen Molasse (Schlunegger 1995, Schlüchter et al. 2019)

Beschreibung

Beschreibung

Sandsteine mit roten und weisse Feldspäten (arkoseartiges Aussehen) und meist grauem oder grünlichem Mergel, sowie einzelnen Nagelfluhbänken.

„Der östliche Buechberg (Grinau-Synklinale) besteht fast vollständig aus bunter Nagelfluh und «granitischem» Sandstein der Höhronen-Schüttung (Ochsner 1975, vgl. S. 95). Dabei sind die meist kleingerölligen, extrem bunten Nagelfluhbänke (z.T. >50% Kristallingerölle) rinnenartig in die Sandsteinabfolgen eingelagert (gut sichtbar z.B. in den aufgelassenen Steinbrüchen am Südufer des Zürcher Obersees). Für die detaillierte lithologische Beschreibung der Sedimente der Höhronen-Schüttung wird auf Hantke et al. (2009) verwiesen, worin auch ältere Untersuchungen u.a. von Schlanke (1974) Berücksichtigung finden. ... Baum­berger (1927), Hantke (1956) und Zöbelein (1963) beschreiben fossile Tier- und Pflanzenreste aus Mergel vom Nordabhang des Buechbergs (Atlasblatt Linthebene, Steinbrüche entlang des Südufers des Zürcher Obersees).“ [Löpfe et al. 2012 S. 21]

„Die USM II der mittelländischen Molasse besteht aus einer Wechsellagerung von «granitischem» Sandstein (Kaufmann 1860) und Mergel. Im Aufschluss dominieren die als Härtlinge herauswitternden Sandsteinrippen. Die Bezeichnung «granitisch» bezieht sich auf den hohen Gehalt an Quarz-, (roten) Feldspat- und Glimmerkomponenten sowie den geringen Anteil an Karbonat. Der meist sehr homogene graue mittelkörnige Sandstein wittert gelblichbraun bis grünlich an und zerfällt dabei auf charakteristische Weise zu Sand. ... Im Steinbruch Lehholz östlich des Klosters Wurmsbach zeigt sich, wie sich im hauptsächlich homogen geschichteten und steil nach NW einfallenden Sandstein stellenweise resedimentiertes dunkelgrau-buntes mergeliges Molassegestein («Mergelgallen») einschaltet (vgl. Fig. 24). Es handelt sich dabei um bei Hochwasserer erodierte, feinkörnige Sedimente einer Überschwemmungsebene ausserhalb des Rinnengürtels, welche anschliessend resedimentiert wurden. An der scharfen erosiven Basis finden sich zuerst in ungeordneter Lagerung faust- bis fussgrosse Brocken aus graubeigem, dunkelbraunviolettem und kohligem Mergel. Gegen oben nimmt die Korngrösse des resedimentierten Materials rasch ab, und es bildet sich eine oft schräggeschichtete Wechsellagerung aus dunklem, mergeligem Material und dem helleren, grauen Rinnensandstein aus (Fig. 24).“ [Löpfe et al. 2012 S. 24]

„Die «Granitische Molasse» mit tektonischer Unter- und fliessender Obergrenze zeichnet sich aus durch eine Wechsellagerung von grobkörnigem, feldspatreichem Sandstein von hoher Porosität, der leicht verwittert, mit Bänken von extrem bunter Nagelfluh sowie geflecktem Silt- und Tonstein. Der Anteil an Kristallingeröllen bewegt sich zwischen 50 und 75%. Es sind vor allem rote Granite und Quarzporphyre von Äquivalenten der Bernina-Decke, grüne und grünrote Granite der Err-Decke sowie Diorite der Campo-Languard-Decke. An Sedimenten finden sich helle und dunkle Kalke, graubraune Dolomite, rote Radiolarite und Spongienkalke. Die Mergel der «Granitischen Molasse» sind bunt gefärbt: gelbgrau, ockerfarbig bis rotbräunlich; teils knollige und dunkel-graubraune Typen sind ebenfalls häufig (Kleiber 1938).“ [Hantke 2006 S.33]

„Die aufgerichtete und gestauchte «Granitische Molasse» im Gebiet Merlischachen–Udligenswil–Küssnacht–Halbinsel Chiemen unterscheidet sich von der­jenigen der Höhronen-Schuppe vor allem darin, dass die Geröllschübe unregelmässiger auftreten und spärlicher werden. In der NW-Seite der «Würzenbach-Antiklinale» stellt auch Kopp (1962b) bei Adigenswil (Atlasblatt Luzern) nur noch eine einzige Nagelfluhbank fest. Die Bänke von «Granitischem Sandstein» sind quarz- und feldspatreicher und stets karbonatarm.“ [Hantke 2006 S.34]

Mächtigkeit
1000-2000 m (Vollmayr & Wendt 1987, Schlunegger 1995, Schlunegger et al. 2016); Fischenbach-Profil: ca. 780 m ; wird gegen E geringmächtiger (bis 200 m) und verzahnt sich mit dem Uerscheli-Sandstein im Bereich von Schangnau (Schlunegger 1995).

Komponenten

Mineralien
  • Glimmer
  • Feldspat
  • Quarz
Fossilien
  • Pflanzen : Plantae
  • Säugetiere

Die mittelländische Formation der Granitischen Molasse ist relativ fossilarm. Stehlin (1914) erwähnt den Säugetierfund eines «Krallentieres» (Chalicotherium wetzleri) sowie eines nicht näher bestimmbaren Nashorns. Aufsehenerregend war der Fund eines nahezu vollständig erhaltenen Schädels eines Nashornartigen der Art Diaceratherium lemanense (Becker et al. 2009, Bürgin et al. 2008).

Baumberger (1927), Hantke (1956) und Zöbelein (1963) beschreiben fossile Tier- und Pflanzenreste aus Mergel vom Nordabhang des Buechbergs (subalpine Molasse).

Hierarchie und Abfolge

Obergrenze

Der Übergang von der Formation der Granitischen Molasse in die «Oberaquitane Mergelzone» im Hangenden ist fliessend. Die Obergrenze wird da gezogen, wo Sandsteinabfolgen mehr als 40% der vertikalen Abfolge ausmachen (Schlunegger 1995).

Als lithologisch klar definierbare, jedoch diachrone Obergrenze der Formation der Granitischen Molasse zur Luzern-Formation diente jeweils das erstmalige Auftreten einer Konglomeratbank («Basisnagelfluh der Hörnli-Schüttung» von Büchi & Welti 1951).

Untergrenze

Die Untergrenze der subalpinen Formation der Granitischen Molasse ist tektonisch. Sonst wird die Untergrenze da gezogen, wo Sandsteinabfolgen mehr als 40% der vertikalen Abfolge ausmachen (Schlunegger 1995).

Stratigraphische Diskussion

Formation der Granitischen Molasse auf Atlasblatt 142 Ricken: Beim z.T. Kristallingerölle-führenden «granitischen» Sandstein handelt es sich um sandige Rinnengürtelablagerungen der Napf-, Höhronen- und Hörnli-Schüttung (mittelländische Molasse und Triangelzone) sowie der Kronberg-Gäbris-Schüttung (subalpine Molasse). Frei (1979) folgert aufgrund sedimentpetrographischer Untersuchungen an zwei Sandsteinproben vom südlichen Rand der aufgerichteten mittelländischen Molasse im Gebiet Schmidberg (Atlasblatt Nesslau), dass gewisse «granitische» Sandsteine auch der radialen Kronberg-Gäbris-Schüttung entstammen können. Bereits Renz (1937) kam zum analogen Schluss, dass neben der Höhronen-Schüttung auch die Gäbris-Schüttung am Aufbau der Formation der Granitischen Molasse der USM II beteiligt sei. Kempf et al. (1999) schreiben analog zu früheren Autoren (z.B. Füchtbauer 1964) die Herkunft des «granitischen» Sandsteins der USM II der axial nach Osten entwässernden Höhronen- und Napf-Schüttung zu. Diese Schüttungen sind durch die Schwerminerale Zirkon und Apatit (Höhronen) sowie Epidot (Napf) charakterisiert. Während im zentralen Gebiet des Atlasblattes Ricken die USM II also ausschliesslich der axialen Höhronen- und Napf-Schüttung entstammt, interferiert sie gegen Osten bereits mit den Sedimenten des radialen Kronberg-Gäbris-Schuttfächers.

Die resedimentierten, dunkelgrau-bunten Molassemergel («Mergelgallen») in der USM II der mittelländischen Molasse werden als bei Hochwasser erodierte, feinkörnige Sedimente einer Überschwemmungsebene ausserhalb des Rinnengürtels, welche anschliessend resedimentiert wurden, interpretiert.

Im Gebiet von Atlasblatt 116 Rigi wird die Formation der Granitischen Molasse als Ablagerung der (Rigi-)Höhronen-Schüttung interpretiert. Während die ältere Rigi-Schüttung die Sedimentdecken/-hüllen der oberen penninischen und ostalpinen Einheiten erodierte und anschliessend zur Ablagerung brachte, dokumentiert die sich aus der Rigi-Schüttung entwickelnde Höhronen-Schüttung mit ihrem extrem hohen Anteil an Kristallingeröllen die tiefergreifende Erosion in die Deckenkerne (Speck 1953, Stürm 1973, Schlunegger 2001). Diese erfasste nun die kristallinen Kerne der oberen penninischen und ostalpinen Einheiten und führte zur Ablagerung kristallinreicher Konglomerate und Arkosen. Die Kristallingerölle der bunten Nagelfluh setzen sich vor allem aus roten Graniten und Quarzporphyren von Äquivalenten der Bernina-Decke, grünen und grünroten Graniten der Err-Decke sowie Dioriten der Campo-Languard-Decke zusammen.

Alter

Alter Top
  • spätes Aquitanien

Bermerkungen zu Top

Die Obergrenze der USM II liegt im frühesten Burdigalien; die Aquitanien/Burdigalien-Grenze gemäss lithostratigraphischem Profil (Kempf et al. 1997) ca. 120 m unterhalb der ersten Konglomeratbank (= Obergrenze USM II) im Goldinger Tobel.

Alter Basis
  • spätes Chattien

Bermerkungen zu Basis

Kempf (1998) konnte den petrographischen Wechsel von USM I zu USM II magnetostratigraphisch mit der Chattien-Aquitanien-Grenze (ca. 23.8 Ma Jahre) korrelieren.

Datierungsmethode

Eine Kombination aus magnetostratigraphischen, biostratigraphischen und sedimentpetrographischen Untersuchungen ermöglicht eine Rekonstruktion der räumlich-zeitlichen Sedimentationsverhältnisse (Kempf et al. 1997, 1999). Demnach war die axiale Höhronen- und Napf-Schüttung im Aquitanien bis frühen Burdigalien (ca. 24 bis 20 Ma) aktiv. Der Einfachheit halber wird für die «Granitische Molasse» jedoch nur aquitanes Alter angegeben.

Geografie

Geographische Verbreitung
Ganze Zentral- und Ostschweiz, von Thun bis Bodensee und schliesslich nach München (entspricht ca. der Molasse grise de Lausanne der Westschweiz).
Typusregion
Entlebuch (LU).
Typusprofil
  • Bohrung Hünenberg-1
    Merkmale des Ortes
    • Obergrenze
    • Untergrenze
    • typische Fazies
    Zugänglichkeit des Ortes
    • Bohrkern
    Koordinaten
    • (2674930 / 1225330)
    Notizen
    • Schlunegger 1995: 860 m zwischen Molasse Rouge (unten) und «Oberaquitane Mergelzone» (oben).
Referenzprofile
  • Fischebach (LU), Entlebuch / Schwarzenberg
    Merkmale des Ortes
    • Obergrenze
    • typische Fazies
    Zugänglichkeit des Ortes
    • Bachprofil
    Koordinaten
    • (2653575 / 1204275)
    Notizen
    • Gasser 1966, Schlancke 1974, Schlunegger 1995 (Fig. 2.17), Hantke 2006: 780 m zwischen basale Rücküberschiebung und OMM.
  • Schindellegi (Sihl, ZH)
    Merkmale des Ortes
    • typische Fazies
    Koordinaten
    • (2697775 / 1225450)
    Notizen
    • Schlanke 1974, Schlunegger 1995: Unter- und Obergrenze nicht aufgeschlossen.

Paläogeografie und Tektonik

  • USM-II
Paläogeografie
Nordalpines Vorlandbecken
Tektonische Einheit (bzw. Überbegriff)
Herkunftstyp
  • sedimentär
Metamorphose
unmetamorph

Referenzen

Erstdefinition
Studer B. (1853) : Geologie der Schweiz - Zweiter Band: Nördliche Nebenzone der Alpen, Jura und Hügelland. Stämpfli (Bern)
Neubearbeitung
Schlunegger Fritz (1995) : Magnetostratigraphie und fazielle Entwicklung der Unteren Süsswassermolasse zwischen Aare und Limmat. Inauguraldissertation Universität Bern, 185 S.
  • Oberaquitane Mergelzone

    Rang
    lithostratigraphisches Member (Subformation)
    Status
    inkorrekter Begriff (jedoch informell gebraucht)
    Nomenclatorial Remarks
    Obwohl beim Begriff der «Oberaquitanen Mergelzone» eine Vermengung von Chrono-, Bio- und Lithostratigraphie vorliegt, wird er gemäss Vorschlag von Müller (1971) dem Status der eingebürgerten Namen unterstellt und somit weiterverwendet. Der Begriff darf aber nur im streng lithologischen Sinn gebraucht werden.
    Kurzbeschreibung

     

    Mergelige, kennzeichnend karbonatreichere Ablagerung im Dach der Formation der Granitischen Molasse, bestehend aus einer fossilarmen Wechsellagerung von gelbgrauen, teils violettroten, gefleckten Mergeln und Mergelsandsteinen, feinkörnigen Kalksandsteinen und knollig anwitternden Mergelkalken.

     

    Age
    spätes Aquitanien
  • Marbach-Schichten

    Name Origin

    Marbach (LU) [non Marbachgraben am Osthang des Belpbergs = OMM-II]

    Rang
    lithostratigraphische Formation
    Status
    unbekannter Status
    Nomenclatorial Remarks
    <p>Rote Molasse (Liechti 1928 ; irreführend wegen Verwechslungsgefahr mit der liegenden Molasse Rouge), Aquitanien auct., Aquitanzone auct., Granitische Molasse (Gasser 1966).</p>
    Kurzbeschreibung

     

    Grünlicher, blaugrauer und hell rötlicher, poröser, muskovitreicher, oft massiger, fein- bis grobkörniger «granitischer» Sandstein mit geringmächtigen bunten Mergelzwischenlagen, die häufig Kalkkonkretionen führen. Bezeichnend sind Bänke aus gelbbraunem mergeligem Süsswasserkalk. Selten kompakte Nagelfluhbänke mit hohem Gehalt an kristallinen Komponenten, hoher Porosität und einem rostig gelb verwitternden Bindemittel. Hingegen sind Geröllschnüre und -nester sowie rote bis bunte Tonsteinlagen in der gesamten Abfolge verteilt.

     

    Age
    Aquitanien
  • Hombach-Member

    Name Origin

    Hombach (BE), Schangnau

    Rang
    tektonisch-begrenzte lithostratigrafische Einheit
    Status
    informeller Begriff
    Kurzbeschreibung

     

    Abfolge aus leicht verwitterndem, bläulichem bis grünlichem, oft grobem und Kohle-führendem, «granitischem» Knauersandstein, weichem grauem Sandstein, buntem Mergel und polymikter Nagelfluh. Während die Nagelfluh geringmächtiger und stärker von Sandsteinlagen durchsetzt ist als die Nagelfluhen der Blueme-Honegg-Beichlen-Schuppe, unterscheidet sie sich von den Konglomeraten der mittelländischen Molasse deutlich durch ihren Geröllbestand, geringere Gerölldurchmesser und die enge Vergesellschaftung mit Sandstein.

     

    Age
    spätes Chattien
    • Fossilhorizont Hombachtobel

      Name Origin

      Hombachtobel (LU)

      Rang
      biostratigraphischer Horizont
      Status
      lokaler Begriff (informell)
      Kurzbeschreibung

       

      Fossilfundstelle im Hombach-Member, mit eine Säugetierfauna und Gastropoden des späten Chattiens (MP28 nach Engesser 1990).

       

      Age
      spätes Chattien
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