Rotachewald-Till

Zurück zu Oberer Teil des Münsingen-Schotterkomplexes

Darstellung und Status

Farbe CMYK
(4%,0%,33%,10%)
Farbe RGB
R: 220 G: 230 B: 155
Rang
lithostratigraphische Formation
Gebrauch
Element ist in Gebrauch
Status
informeller Begriff

Nomenklatur

Deutsch
Rotachewald-Till
Français
Tillite du Rotachewald
Italiano
Till del Rotachewald
English
Rotachewald Till
Herkunft des Namens

Rotachewald = Rotechewald (BE), NW Heimberg

Historische Varianten

Grundmoräne des Würm II (Beck & Rutsch 1958), Rotachewald Grundmoräne = RWGM (Schlüchter 1975 und 1982), Rotachewald-Grundmoräne (Schlüchter 1976, Welten 1982, Preusser et al. 2011)

Beschreibung

Beschreibung

Die Rotachewald-Grundmoräne zeigt eine deutliche geröllpetrographische Verwandtschaft mit den Oberen Münsingen-Schottern: es überwiegen zahlenmässig auch hier die dunklen dichten Kalke (graublaue Farbe im Aufschluss! ). Exotische Gerölle aus der polymikten («bunten») Nagelfluh sind mit einem verschwindend kleinen Anteil vertreten. (Schlüchter 1976)

Mächtigkeit
0-6 m, bis durchschnittlich 10 m in Jaberg (Schlüchter 1976).

Hierarchie und Abfolge

Obergrenze

Postglaziale und rezente Bodenbildungen.

Untergrenze

Sedimentgenetische Fortsetzung der Oberen Münsingen-Schotter (mit geröllpetrographische Verwandschaft). Lokal direkt über der Kleinhöchstetten-Kies-Sand-Komplex.

Alter

Alter Top
  • Spätes Pleistozän

Alter Basis
  • Spätes Pleistozän

Geografie

Geographische Verbreitung
Aretal zwischen Heimberg und Rubigen.
Typusregion
Aaretal (BE)
Typlokalität
  • Kiesgrube Bümberg/Chisewald (BE)
    Merkmale des Ortes
    • Untergrenze
    • typische Fazies
    Zugänglichkeit des Ortes
    • Steinbruch, Tongrube
    Koordinaten
    • (2611330 / 1183660)
    Notizen
    • Schlüchter 1976

Referenzen

Erstdefinition
Schlüchter Christian (1976) : Geologische Untersuchungen im Quartär des Aaretals südlich von Bern (Stratigraphie, Sedimentologie, Paläontologie). Beitr. geol. Karte Schweiz (N.F.) 148

S.26: Im Gebiet Bümberg-Chisewald (Fig. I und Seite 52) konnte die Grundmoräne im Hangenden der Oberen Münsingen-Schotter als selbständige lithostratigraphische Einheit ausgeschieden und definiert werden. Sie wurde dort, an ihrer Typuslokalität, als Rotachewald-Grundmoräne bezeichnet (Koord.: 611.325/183.660). Diese Grundmoräne ist im Dach der Oberen Münsingen-Schotter im Aaretal zwischen Heimberg und Rubigen nachgewiesen worden. Nördlich des Raintalwaldes werden die Verhältnisse jedoch so kompliziert, dass nicht mehr eine einzige Grundmoräne aus der Zeit der letzten Vergletscherung, sondern ein Grundmoränenkomplex vorhanden ist. Die beiden Profile D und E in Fig. 3 sind vereinfacht, wobei im Profil D mit Sicherheit drei und im Profil E zwei Grundmoränen vorhanden sind, die durch Kies- und Sandlagen voneinander getrennt sind. Der Aaregletscher oszillierte zur Zeit seines Abschmelzens offenbar noch mehrmals, was vor allem durch Grundmoränen und morphologische Formen (aufgestauchte Sander und eigentliche Wallmoränen) nachweisbar ist (siehe Fig. 2). Nördlich des Rutschungsgebietes im Raintalwald ist der ganze durch den Autobahnbau angeschnittene Hang aus Grundmoräne und dazwischengelagertem fluvioglazialem Sand und Kies aufgebaut. Es handelt sich hier um einen genetisch äusserst komplizierten Grundmoränenkomplex. Südlich des Rutschungsgebietes überlagert eine einheitliche Grundmoränendecke, die lokal durch reliktischen, verwaschenen Glazialschutt ersetzt sein kann, die älteren Ablagerungen (Fig. 2 und 3). Diese Tatsache dürfte dahin interpretiert werden, dass alle bedeutenderen Zungenschwankungen des Aaregletschers in seiner Abschmelzzeit (letzte Vergletscherung) im Gebiet nördlich des Raintals aktiv waren und es so zur Bildung mehrerer Grundmoränen kam, während der Gletscherlappen südlich des Raintalwaldes nicht in einem Ausmass oszillierte, das zur Ablagerung mehrerer Grundmoränen führen konnte. Es stellt sich hier auch die Fage, ob die genetische Fortsetzung der Rotachewald- Grundmoräne als Grundmoräne des generellen letzten Hauptvorstosses des Aaregletschers nördlich des Raintalwaldes auch wirklich aufgeschlossen war oder nicht. Es ist durchaus möglich, dass diese basale Grundmoräne nicht aufgeschlossen war, da die Topographie vor der letzten Vergletscherung im Raintal deutlich von der heutigen verschieden war und so der Aaregletscher nördlich der Schotterfluh im Raintalwald eine Hohlform vorfand, die er mit erratischem Schutt auffüllte. So haben wir dort wahrscheinlich nur Ablagerungen der jüngsten Schwankungen aufgeschlossen, und die basale Grundmoräne der letzten Eiszeit wäre somit tiefer zu suchen. Südlich des Raintals, wo die Rotachewald-Grundmoräne eine einfache Decke wechselnder Mächtigkeit (0-7m) über den Oberen Münsingen-Schottern bildet, ist sie als charakteristische, festgelagerte, oft fast betonartig verfestigte Grundmoräne ausgebildet. In guten Aufschlüssen, wie den Kiesgruben nördlich Rubigen, fällt sie im Hangenden der Oberen Münsingen-Schotter auch durch ihre Farbe sofort auf: das Graublau der Münsingen-Schotter ist des hohen Sand- und Siltgehaltes wegen in der Grundmoräne ins Braungelbe aufgehellt (Anwitterungsfarbe! ). Grobes erratisches Blockwerk (Durchmesser über 50cm) ist nicht häufig, doch regelmässig nachweisbar. Nördlich des Raintals ist der lithologische Aufbau der Äquivalente der Rotachewald-Grundmoräne, wie oben angedeutet, komplex. Als Minimalmächtigkeit sind im Profil D (Fig. 3) 18m Grundmoränenmaterial nachgewiesen. Das Verteilungsfeld von 44 Korngrössenanalysenkurven von Grundmoränenproben ist in Figur 10 dargestellt. Die Proben stammen aus Sondierbohrungen des Autobahnbaues. Es fällt in dieser graphischen Darstellung auf, wie das Verteilungsfeld im Vergleich zu jenem der Raintal-Schlammoräne (Fig. 5) eine viel breitere Streuung einnimmt. Dieses breite Spektrum ist aber verständlich, wenn man sich die Genese dieses Moränenkomplexes vorstellt.

S.52: Die Rotachewald-Grundmoräne zeigt eine deutliche geröllpetrographische Verwandtschaft mit den Oberen Münsingen-Schottern: es überwiegen zahlenmässig auch hier die dunklen dichten Kalke (graublaue Farbe im Aufschluss! ). Exotische Gerölle aus der polymikten («bunten») Nagelfluh sind mit einem verschwindend kleinen Anteil vertreten. Charakteristisch ist ebenfalls die für Grundmoräne typische, äusserst kompakte Lagerung: das Sediment ist oft durchgehend betonartig verfestigt. Die Matrix ist leicht tonig (10 bis 15";, ), sandig-siltig und erfüllt mit wenigen Ausnahmen den Porenraum vollständig. Sie bedingt die Quellaustritte über der Längsrükkenzone zwischen Büroberg und Thungschneit. Stellenweise ist sie leicht sandiger. Vier erratische Blöcke von über Im: ' Grösse sind bis jetzt im Aufschluss Bümberg zum Vorschein gekommen (je zwei Malmkalke und aarmassivische Granite). Die Farbe der Rotachewald-Grundmoräne ist das Blaugrau der Münsingen-Schotter s. I., jedoch durch die sandig-siltige Matrix ins Bräunlichgrau (Aufschlussfarbe) aufgehellt. Ebenfalls bezeichnend für die Moränennatur sind Zurundung und Abplattung der Gerölle. Im Vergleich zu den fluviatilen Lagen der Oberen Münsingen-Schotter sind die Werte der Zurundung und Abplattung bedeutend kleiner (Fig. 27 und SCHLÜCHTER 1972 und 1973a).

Neubearbeitung
Preusser Frank, Graf Hans Rudolf, Keller Oskar, Krayss Edgar, Schlüchter Christian (2011) : Quaternary glaciation history of northern Switzerland. E&G Quaternary Science Journal 60/2-3, 282-305

The youngest gravel unit is topped by basal till (‘Rotachewald-Grundmoräne), correlated with the Last Glaciation of the area (Schlüchter 1989a, b).

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