«Sideroliteskomplex»

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Représentation et statut

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R: 135 G: 155 B: 90
Rang
unité lithostratigraphique
Usage
Ce terme est en usage.
Status
terme incorrect (mais utilisé de manière informelle)
Scs Note

Vorschlag: Nidern (cf. Wegmann 1961 Tafel III fig.15)

Nomenclature

Deutsch
«Sideroliteskomplex»
Français
«Sideroliteskomplex»
Italiano
«Sideroliteskomplex»
English
«Siderolites Complex»
Origine du nom

Namengebendes Fossil (Foraminiferengattung): Siderolites Lamarck 1801.

Variantes historiques

Unterer Sideroliteskomplex (Leupold 1942), Sideroliteskomplex (Bisig 1957), Sideroliteskomplex = Wang-Aequivalent im Sardonaflysch (Wegmann 1961)

Remarques nomenclatoriales

Entspricht der Wang-Formation.

Hiérarchie et succession

Âge

Âge au sommet
  • Maastrichtien
Âge à la base
  • Maastrichtien

Références

Définition
Leupold, W. (1941) : Neue Beobachtungen zur Gliederung der Flyschbildungen der Alpen zwischen Ruess und Rhein. Eclogae geol. Helv. 35/2, 247-291

„Unterer Sideroliteskomplex", bestehend aus: sehr stark an 'Wang¬ schiefer erinnernden, hellgrau anwitternden, stahlgrauen, und feinglimmerigfeinsandig rauhen, schalig brechenden Kalkmergel-Schiefern; Bänken von hellgrau anwitternden, glimmerigen, klirrenden Kalkplatten; Bänken von blaugrauen, hell anwitternden, völlig wangähnlichen Kieselkalken; ferner Kieselkalken, erfüllt von verkieselten Bryozoen; groben, grobglimmerigen Sandkalken mit Siderolites, in einzelnen meterdicken Bänken. Die ganze, stark schiefrige Abteilung macht durchaus den Eindruck einer faziellen Abwandlung der Wangschichten. Charakteristisch ist, dass die Mergelschiefer flasrig oder schalig geschichtet, nicht ebenflächig und serizitisch glänzend sind. Sie unterscheiden sich von den unterliegenden „Freudenbergschiefern" 3 durch das Fehlen der Globotruncanen, sowie durch die Einlagerungen der grobklastischen Bänke.

Révision
Rutsch R. F., ... (1966) : Alpes suisses et Tessin méridional. Lexique stratigraphique international, vol. 1 Europe, fasc. 7c

SIDEROLITESKOMPLEX (Maestrichtien ; Ultrahelvetikum / Schichtglied des Sardonaflyschs)

W. Leupold (1943): «Neue Beobachtungen zur Gliederung der Flyschbildungen der Alpen zwischen Reuss und Rhein». Eclogae geol. Helv., 35/2 (1942): 256: «Unterer Sideroliteskomplex» (4).

Für die Uebersicht vgl. Art. «Sardonaflysch», insbes. die dortige Korrelationstabelle.

In der Schichtreihe des Sardonaflysches seilt sich über den noch rein pelagischen «Globotruncanenkalken» 1 und «Globotruncanenmergeln» 2, und über den bereits feinsandigen Mergelschiefern mit Sandstein- und Kieselkalkbänklein, welche W. Leupold (1943) noch «Freudenbergschiefer», W. Rüefli (1959) «Foopassschiefer» und R. Wegmann (1961) «Rindermattlischichten» genannt haben, mit raschem Uebergang durch Vermehrung der grobklastischen Bänke eine vollentwickelte, kleinzyklisch gegliederte Flyschbildung ein, bestehend aus «sehr stark an Wangschiefer erinnernden, hellgrau anwitternden, stahlgrauen und feinglimmerig-feinsandig rauhen, schalig brechenden Kalkmergel-Schiefern; Bänken von hellgrau anwitternden, glimmerigen klirrenden Kalkplatten; Bänken von hellgrauen, hellanwitternden, völlig wangähnlichen Kieselkalken; ferner Kieselkalken, erfüllt von verkieselten Bryozoen; groben, grobglimmerigen Sandkalken mit Siderolites in einzelnen meterdicken Bänken. Die ganze, stark schiefrige Abteilung macht durchaus den Eindruck einer faziellen Abwandlung der Wangschichten. Charakteristisch ist, dass die Mergelschiefer flasrig oder schaltig geschichtet, nicht ebenflächig und serizitisch glänzend sind. Sie unterscheiden sich von den unterliegenden «Freudenbergschiefern» 3 durch das Fehlen der Globotruncanen, sowie durch die Einlagerungen der grobklastischen Bänke.» (W. Leupold I.c.).

Nach der charakteristischen Maestrichtien-Leitform Siderolites wurde dieser Schichtkomplex mit seinen, ebenfalls mit dieser Schichthöhe im Einklang stehenden Affinitäten zu den Wangschichten, «Sideroliteskomplex» genannt. 1943 unterscheidet W. Leupold nun allerdings noch einen «Unteren Sideroliteskomplex» 2-4 gegenüber einem höheren Schichtglied 10, «Siderolitesplatten». W. Leupold war damals, getäuscht durch tektonische Komplikationen in der Gegend oberhalb der Sardonahütte SAG im Calfeisental, zeitweilig zu der Auffassung gelangt, dass auch noch höher oben in der stratigraphischen Kolonne des Sardonaflysches, über dem charakteristischen Leithorizont 7 des «Sardonaquarzites», nochmals ein Horizont mit Siderolites aufträte, wodurch die Hauptmasse des Sardonaflysches oberkretazischen Alters hätte sein müssen. Diese Vorstellung stand im Gegensatz mit W. Leupold's ursprünglicher Vermutung, dass der auffallend regelmässig aushaltende Trennhorizont inmitten der «wilden» Flyschserie, der «Sardonaquarzit» (>>>) mit den ihn unterlagernden, ausserordentlich groben Kristallinkonglomeraten, auch innerhalb der Flyschserie stets noch den wichtigen Hiatus der Oberkreide-Alttertiärgrenze unterstreiche. Die irrtümliche Abweichung von dieser letzteren Auffassung, deren Richtigkeit heute durch Nummulitenfunde sowohl in den Kristallinkonglomeraten unter dem Sardonaquarzit, wie in den Horizonten unmittelbar über demselben bewiesen ist, findet man nach den Angaben von W. Leupold in W. Rüefli (1959: 142) und R. Wegmann (1961: 128, Anmerk; 216) bereits korrigiert: das Schichtglied 4 braucht deshalb nicht mehr als «Unterer Sideroliteskomplex» unterschieden zu werden, sondern kann als «Sideroliteskomplex» schlechthin bezeichnet werden.

R. Wegmann (1961: 128-138) hat den Ausdruck «Sideroliteskomplex = Wangaequivalent im Sardonaflysch» ganz im Sinne der Leupold'schen Definition verwendet und eine ausführliche Beschreibung der lithologischen Zusammensetzung nebst Illustration eines charakteristischen Profilausschnittes (Taf. III, Fig. 15) gegeben. Er unterscheidet im Faziesquerprofil des Sardonaflysches S Elm verschiedene Faziesausbildungen. Diese führen von einer am Ueberschiebungskontakt des Sardonaflysches auf den Blattengratkomplex verbreiteten, noch sehr wangähnlichen N-Fazies (regelmässige Abwechslung von Kieselkalk- und Kalksandsteinbänken in sandigen, rauhen Mergelschiefern) hinüber in eine regelmässig grobbankig-plattige Ausbildung mit denselben Gesteinen und schliesslich in die typische, «wildflyschartig» struierte, sehr unregelmässige Ausbildung. In dieser sind keine durchgehenden Bänke mehr vorhanden, sondern es wechseln alle Gesteinstypen in linsenförmigen Konfigurationen in jeder Raumrichtung miteinander ab, wobei dieser Zustand z.T. sicher pri-märstratigraphisch ist, aber tektonisch durch Zerreissung in Phakoide noch verstärkt wurde. Die regelmässig grobplattige Ausbildung entspricht der Beschreibung, welche W. Leupold (1943) von seinen «Siderolitesplatten» 10 gegeben hat, welche event. auch als eine solche regelmässigere Fazies des «Sideroliteskomplexes» 4 erklärt werden können.

W. Rüefli (1959: 109 ff., insbesondere: 135-145) hat den ganzen Schichtstoss zwischen der Obergrenze der «Globotruncanenschichten» 1-2 und der Basis der «schwarzen Schiefer mit Kristallinkonglomeraten» 5, welche die Untergrenze des Alttertiärs bezeichnen, zusammenfassend «Senonflysch» genannt und darin von oben nach unten unterschieden:

c) Jüngster Senonflysch, Merkmale: besonders verworrene Schieferung mit Linsen von polygenen Sandsteinen und «granitischen» Breccien, mit örtlichen Einschaltungen von Fucoiden- und Helminthoidenschiefern, sowie Komponenten von Tithonkalken und Calpionella alpina Lorenz oder Trocholinen und von «seewerartigem Kalk» mit Globotruncanà lapparenti lapparenti. Zugehörige Faune: Globotruncana stuarti (de Lapparent) Alter: mittleres bis oberes Maestrichtien. Mächtigkeit: 60-80 m, kaum über 100m.

b) Sideroliteskomplex: Ruhiger und regelmässiger gelagert als c). «Die helleren der eingeschlossenen Schieferbildungen, welche siltig bis feinsandig und glimmerführend sein können und zahlreiche Helminthoiden und Fukoiden aufweisen, sind vorallem im tieferen Teil der Serie zu finden, die grobbankigen Kiesel- und Glimmersandkalke bilden den mächtigen Mittel-und Oberbau, wobei nach oben eine Vergrösserung des Korns und wieder vermehrte, diesmal hellere und auch dunklere Schiefereinschaltungen vorkommen. Parallel zur letztern Erscheinung tritt dünnerbankige Ausbildung der Sandkalke ein, die bereits zu vermehrtem Boudinage und Beginn phakoidischer Aspekte führt. Die Serie wirkt im grossen und ganzen einheitlich, regelmässig und ist im mittleren Abschnitt stets wandbildend, in ruhigen, meist spitzgebogenen Falten. Mikrofauna: Siderolites hera-cleae Arni (= S. vidali Douv.) zusammen mit Globotruncanen sowohl noch des Lapparenti-, wie des Stuarti-Formenkreises.

Alter: Obercampan bis an die Grenze mittieres-oberes Maestrichtien. Mächtigkeit: im N gegen 200 m, im S ca. 100 m.

a) Foopassschiefer: Alter oberes Coniacien oder Basis Santonien bis mittlere oder oberes Campanien.

Man erhält den Eindruck, dass die von Rüefli geschilderte mächtige N-Fazies des «Sideroliteskomplexes» mehr der von R. Wegmann ebenfalls unterschiedenen «regelmäßigen Ausbildung» 4"' entspricht, die oft nur mikropalaeontologisch von der sehr ähnlichen Ausbildung der «Plattenkalksandsteine» oder «Geisseggschichten» (>>>) unterschieden werden können (vgl. Wegmann, 1. c.: 132). In der weniger mächtigen, grobklastischeren S-Fazies, welche im Calfeisental dominiert, hat W. Leupold die Abschnitte b) und c) des «Senonflysches» unter seiner Bezeichnung «Sideroliteskomplex» zusammengefasst und dasselbe ist bei R. Wegmann (1961) der Fall.

Als Typlokalitäten des Sideroliteskomplexes, an denen in den kalkreichen Breccien zugleich auch reiche Funde von Siderolites gemacht worden sind, können die folgenden Lokalitäten gelten:

1. SW-Grat des Älpelichopfs (NE Piz Sardona) zw. P. 2634 und 2641 (LK Bl. Sardona, Nr. 247), Koord. 739.000-600/199.100-400 (oberer Schichtkomplex von Profil H in W. Rüefli, I.c.: 132).

2. Gratkante W Oberlavtina (S Weisstannen), zw. Schnarzelen und Staffinellagrat, in der Höhe des Gratvorsprungs P. 1945, 7, Koord. 746.200/203.150.

Vereinigt man die von den verschiedenen ziterten Autoren im Sideroliteskomplex gefundenen Mikrofossilien in eine Liste, so ergibt sich: Siderolites heraclea Arni (= S. vidali H. Dou-ville). Wahrscheinlich handelt es sich im Speziellen um dieselbe Form, welche Arni (1933) aus dem Prätigauflysch als S. heraclea var. pratigoviae beschrieben hat. (W.L. W.R., R.W.). Orbitoides sp. (W.R.) und Orbitoides cf. media d’Archiac (R.W.). Globotruncana lapparenti lapparenti Brotzen (W.B., W.R., R.W.), G. lapparenti tricarinata (Quereau) (W.B., W.R., R.W.), G. lapparenti bulloides vogler (W.B.), G. lapparenti coronata Bolli (W.R.), G. caliciformis (de Lapparent) (W.R.), G. leupoldi Bolli [= G. arca (Cushman)] (W.B.), G. cf. arca (Cushman) (R.W.), G. Lugeoni Tilev (W.B.), G. stuarti (de Lapparent) (W.B., W.R., R.W.), G. conica White (W.B., W.R., R.W.), G. contusa (Cushman) (W.R.), G. gagnebini Tilev (W.B.), G.? Gansseri Bolli (W.R.) G. rosetta Carsey (R.W.), «Globigerina» cretacea d’Orbigny (R.W.), «Rugoglobigerina» (W.R.), Navarella (W.B.).

Die obere Grenze des «Senonflysches» gegenüber den nachfolgenden «schwarzen Schiefern mit Kristallinkonglomeraten» 5 (>>>), welche durch einen Fund von W. Rüefli bereits als Alttertiär datiert sind, ist noch nicht ganz klar. Die Grenze gegen die «schwarzen Schiefer» macht an den meisten Stellen den Eindruck eines lithologischen Ueberganges. R. Wegmann (I.c.: 137) hat auch in den schwarzen Schiefern noch eine Globotruncanenfauna festgestellt, welche aber aufgearbeitet sein könnte. Auch W. Bisig (1957: 197) hat bis in die untersten oelquarzithaltigen Horizonte hinauf Globotruncanen gefunden. Da die von W. Rüefli (I.c.: 153) in den Kristallinkonglomeraten gefundene Mikrofauna mit kleinsten Assiünen aber bereits mittel- bis obereocaenen Alters ist, so ist er der Ansicht (I.c.: 144), dass zwischen dem «Senonflysch» und den Kristallinkonglomeraten doch noch ein Hiatus bestehe.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass manche der von J. Oberholzer in seiner lithologischen Charakterisierung des Glarner «Wildflyschs» (1933: 429-439) aufgezählten Gesteinsarten aus dem senonen Anteil des «Wildflyschs» stammen können, wobei man daran erinnern kann, dass Oberholzer selbst (1933: 174) aus der engen Verknüpfung der Wildflyschgesteine mit den «seewerartigen Kalken» schon den Schluss gezogen hat, dass Teile der Wildflyschschiefer der Oberkreide angehören, wie das inzwischen durch die Mikrofossilfunde für eine bedeutende untere Partie des flyschartig ausgebildeten Anteils der Sardona-Schichtreihe nachgewiesen werden konnte.

Literatur: W. Leupold (1943), W. Bisig (1957), W. Rüefli (1959), R. Wegmann (1961).

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