Formation der Granitischen Molasse

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m1
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R: 235 G: 205 B: 195
Rang
lithostratigraphische Formation
Gebrauch
Element ist in Gebrauch
Status
informeller Begriff
SKS-Notiz
Informell da der Begriff nicht auf einen Ortsnamen gestützt ist.
SKS-Datum
-
Kommentar
Während die subalpine «Granitische Molasse» vermehrt bunte Nagelfluhbänke führt, treten in der mittelländischen Molasse spärlicher Geröllbänke, aber vermehrt Einschaltungen von Mergel auf.

Nomenklatur

Deutsch

Formation der Granitischen Molasse

Französisch

Formation de la Molasse granitique

Italienisch
Formazione della Molassa granitica
Englisch

Formation of the Granitic Molasse

Herkunft des Namens

Die Bezeichnung «granitisch» bezieht sich auf den hohen Gehalt an Quarz-, (roten) Feldspat- und Glimmerkomponenten sowie den geringen Anteil an Karbonat.

Historische Varianten
Granitische Molasse (Studer 1853, Kaufmann 1860, Gutzwiler 1877, Mollet 1921, Baumberger 1925, Fröhlicher 1933, Haus 1937, Matter 1964, Gasser 1966, Müller 1971, Schlancke 1974, Schlunegger et al. 1993), Granitischer Sandstein, Formation der Granitischen Molasse (Schlunegger 1995).
Nomenklatorischer Kommentar
-

Synonyme

Synonyme
Nicht-Synonyme
Verwechslungsgefahr

Beschreibung

Beschreibung

Sandsteine mit roten und weisse Feldspäten (arkoseartiges Aussehen) und meist grauem oder grünlichem Mergel, sowie einzelnen Nagelfluhbänken.

„Der östliche Buechberg (Grinau-Synklinale) besteht fast vollständig aus bunter Nagelfluh und «granitischem» Sandstein der Höhronen-Schüttung (Ochsner 1975, vgl. S. 95). Dabei sind die meist kleingerölligen, extrem bunten Nagelfluhbänke (z.T. >50% Kristallingerölle) rinnenartig in die Sandsteinabfolgen eingelagert (gut sichtbar z.B. in den aufgelassenen Steinbrüchen am Südufer des Zürcher Obersees). Für die detaillierte lithologische Beschreibung der Sedimente der Höhronen-Schüttung wird auf Hantke et al. (2009) verwiesen, worin auch ältere Untersuchungen u.a. von Schlanke (1974) Berücksichtigung finden. … Baum­berger (1927), Hantke (1956) und Zöbelein (1963) beschreiben fossile Tier- und Pflanzenreste aus Mergel vom Nordabhang des Buechbergs (Atlasblatt Linthebene, Steinbrüche entlang des Südufers des Zürcher Obersees).“ [Löpfe et al. 2012 S. 21]

„Die USM II der mittelländischen Molasse besteht aus einer Wechsellagerung von «granitischem» Sandstein (Kaufmann 1860) und Mergel. Im Aufschluss dominieren die als Härtlinge herauswitternden Sandsteinrippen. Die Bezeichnung «granitisch» bezieht sich auf den hohen Gehalt an Quarz-, (roten) Feldspat- und Glimmerkomponenten sowie den geringen Anteil an Karbonat. Der meist sehr homogene graue mittelkörnige Sandstein wittert gelblichbraun bis grünlich an und zerfällt dabei auf charakteristische Weise zu Sand. ... Im Steinbruch Lehholz östlich des Klosters Wurmsbach zeigt sich, wie sich im hauptsächlich homogen geschichteten und steil nach NW einfallenden Sandstein stellenweise resedimentiertes dunkelgrau-buntes mergeliges Molassegestein («Mergelgallen») einschaltet (vgl. Fig. 24). Es handelt sich dabei um bei Hochwasserer erodierte, feinkörnige Sedimente einer Überschwemmungsebene ausserhalb des Rinnengürtels, welche anschliessend resedimentiert wurden. An der scharfen erosiven Basis finden sich zuerst in ungeordneter Lagerung faust- bis fussgrosse Brocken aus graubeigem, dunkelbraunviolettem und kohligem Mergel. Gegen oben nimmt die Korngrösse des resedimentierten Materials rasch ab, und es bildet sich eine oft schräggeschichtete Wechsellagerung aus dunklem, mergeligem Material und dem helleren, grauen Rinnensandstein aus (Fig. 24).“ [Löpfe et al. 2012 S. 24]

„Die «Granitische Molasse» mit tektonischer Unter- und fliessender Obergrenze zeichnet sich aus durch eine Wechsellagerung von grobkörnigem, feldspatreichem Sandstein von hoher Porosität, der leicht verwittert, mit Bänken von extrem bunter Nagelfluh sowie geflecktem Silt- und Tonstein. Der Anteil an Kristallingeröllen bewegt sich zwischen 50 und 75%. Es sind vor allem rote Granite und Quarzporphyre von Äquivalenten der Bernina-Decke, grüne und grünrote Granite der Err-Decke sowie Diorite der Campo-Languard-Decke. An Sedimenten finden sich helle und dunkle Kalke, graubraune Dolomite, rote Radiolarite und Spongienkalke. Die Mergel der «Granitischen Molasse» sind bunt gefärbt: gelbgrau, ockerfarbig bis rotbräunlich; teils knollige und dunkel-graubraune Typen sind ebenfalls häufig (Kleiber 1938).“ [Hantke 2006 S.33]

„Die aufgerichtete und gestauchte «Granitische Molasse» im Gebiet Merlischachen–Udligenswil–Küssnacht–Halbinsel Chiemen unterscheidet sich von der­jenigen der Höhronen-Schuppe vor allem darin, dass die Geröllschübe unregelmässiger auftreten und spärlicher werden. In der NW-Seite der «Würzenbach-Antiklinale» stellt auch Kopp (1962b) bei Adigenswil (Atlasblatt Luzern) nur noch eine einzige Nagelfluhbank fest. Die Bänke von «Granitischem Sandstein» sind quarz- und feldspatreicher und stets karbonatarm.“ [Hantke 2006 S.34]

Geomorphologischer Ausdruck
-
Mächtigkeit
Atlasblatt 142 Ricken: ca. 1700 m ; Fischenbach-Profil: ca. 780 m. Grösste Mächtigkeit im Prässerebach Profil: > 500 m, wird gegen E geringmächtiger (bis 200 m) und verzahnt sich mit dem Uerscheli-Sandstein im Bereich von Schangnau (Schlunegger 1995).

Komponenten

Lithologien
  • Konglomerat (Psephite, Rudit) : grain > 2 mm (psephite / rudite: elements = gravel, boulder, block)
  • Sandstein (Psammit, Arenit) : grains 1/16 mm - 2 mm
  • Arkose
  • Mergelstein
  • Polymikte Nagelfluh
Mineralien
  • Glimmer
  • Feldspat
  • Quarz
Fossilien
  • Pflanzen : Plantae
  • Säugetiere

Hierarchie und Abfolge

Hangendes
Liegendes
Laterales Äquivalent
Obergrenze
-
Untergrenze
Die Untergrenze der subalpinen Formation der Granitischen Molasse ist tektonisch. Sonst wird die Untergrenze da gezogen, wo Sandsteinabfolgen mehr als 40% der vertikalen Abfolge ausmachen (Schlunegger 1995).
Stratigraphische Diskussion
Formation der Granitischen Molasse auf Atlasblatt 142 Ricken: Beim z.T. Kristallingerölle-führenden «granitischen» Sandstein handelt es sich um sandige Rinnengürtelablagerungen der Napf-, Höhronen- und Hörnli-Schüttung (mittelländische Molasse und Triangelzone) sowie der Kronberg-Gäbris-Schüttung (subalpine Molasse). Frei (1979) folgert aufgrund sedimentpetrographischer Untersuchungen an zwei Sandsteinproben vom südlichen Rand der aufgerichteten mittelländischen Molasse im Gebiet Schmidberg (Atlasblatt Nesslau), dass gewisse «granitische» Sandsteine auch der radialen Kronberg-Gäbris-Schüttung entstammen können. Bereits Renz (1937) kam zum analogen Schluss, dass neben der Höhronen-Schüttung auch die Gäbris-Schüttung am Aufbau der Formation der Granitischen Molasse der USM II beteiligt sei. Kempf et al. (1999) schreiben analog zu früheren Autoren (z.B. Füchtbauer 1964) die Herkunft des «granitischen» Sandsteins der USM II der axial nach Osten entwässernden Höhronen- und Napf-Schüttung zu. Diese Schüttungen sind durch die Schwerminerale Zirkon und Apatit (Höhronen) sowie Epidot (Napf) charakterisiert. Während im zentralen Gebiet des Atlasblattes Ricken die USM II also ausschliesslich der axialen Höhronen- und Napf-Schüttung entstammt, interferiert sie gegen Osten bereits mit den Sedimenten des radialen Kronberg-Gäbris-Schuttfächers. Die resedimentierten, dunkelgrau-bunten Molassemergel («Mergelgallen») in der USM II der mittelländischen Molasse werden als bei Hochwasser erodierte, feinkörnige Sedimente einer Überschwemmungsebene ausserhalb des Rinnengürtels, welche anschliessend resedimentiert wurden, interpretiert. Im Gebiet von Atlasblatt 116 Rigi wird die Formation der Granitischen Molasse als Ablagerung der (Rigi-)Höhronen-Schüttung interpretiert. Während die ältere Rigi-Schüttung die Sedimentdecken/-hüllen der oberen penninischen und ostalpinen Einheiten erodierte und anschliessend zur Ablagerung brachte, dokumentiert die sich aus der Rigi-Schüttung entwickelnde Höhronen-Schüttung mit ihrem extrem hohen Anteil an Kristallingeröllen die tiefergreifende Erosion in die Deckenkerne (Speck 1953, Stürm 1973, Schlunegger 2001). Diese erfasste nun die kristallinen Kerne der oberen penninischen und ostalpinen Einheiten und führte zur Ablagerung kristallinreicher Konglomerate und Arkosen. Die Kristallingerölle der bunten Nagelfluh setzen sich vor allem aus roten Graniten und Quarzporphyren von Äquivalenten der Bernina-Decke, grünen und grünroten Graniten der Err-Decke sowie Dioriten der Campo-Languard-Decke zusammen.

Alter

Alter Top
frühestes Burdigalien
Bermerkungen zu Top

Die Obergrenze der USM II liegt im frühesten Burdigalien; die Aquitanien/Burdigalien-Grenze gemäss lithostratigraphischem Profil (Kempf et al. 1997) ca. 120 m unterhalb der ersten Konglomeratbank (= Obergrenze USM II) im Goldinger Tobel.

Alter Basis
spätes Chattien
Bermerkungen zu Basis

Kempf (1998) konnte den petrographischen Wechsel von USM I zu USM II magnetostratigraphisch mit der Chattien-Aquitanien-Grenze (ca. 23.8 Ma Jahre) korrelieren.

Datierungsmethode

Eine Kombination aus magnetostratigraphischen, biostratigraphischen und sedimentpetrographischen Untersuchungen ermöglicht eine Rekonstruktion der räumlich-zeitlichen Sedimentationsverhältnisse (Kempf et al. 1997, 1999). Demnach war die axiale Höhronen- und Napf-Schüttung im Aquitanien bis frühen Burdigalien (ca. 24 bis 20 Ma) aktiv. Der Einfachheit halber wird für die «Granitische Molasse» jedoch nur aquitanes Alter angegeben.

Geografie

Paläogeografie
Ganze Zentral- und Ostschweiz, von Thun bis Bodensee und schliesslich nach München (entspricht ca. der Molasse grise de Lausanne der Westschweiz).
Typusregion
Typlokalität
-
Typusprofil
  • Bohrung Hünenberg-1
    Merkmale des Ortes
    • upper boundary
    • lower boundary
    • typical facies
    Zugänglichkeit des Ortes
    • drill core
    Koordinaten
    • (2674930 / 1225330)
    Notizen
    • Schlunegger 1995: 860 m zwischen Molasse Rouge (unten) und «Oberaquitane Mergelzone» (oben).
Referenzprofile
  • Fischebach (LU), Entlebuch / Schwarzenberg
    Merkmale des Ortes
    • upper boundary
    • typical facies
    Zugänglichkeit des Ortes
    • river bed
    Koordinaten
    • (2653575 / 1204275)
    Notizen
    • Gasser 1966, Schlancke 1974, Schlunegger 1995 (Fig. 2.17), Hantke 2006: 780 m zwischen basale Rücküberschiebung und OMM.
  • Schindellegi (Sihl, ZH)
    Merkmale des Ortes
    • typical facies
    Koordinaten
    • (2697775 / 1225450)
    Notizen
    • Schlanke 1974, Schlunegger 1995: Unter- und Obergrenze nicht aufgeschlossen.
Point of interest
-

Paläogeografie und Tektonik

Paläogeografie
Nordalpine Vorlandbecken,
Herkunftstyp
  • sedimentäre
Bildungsbedingungen
-
Sequenz
-
Tektonische Einheit (bzw. Überbegriff)
Subalpine Molasse Mittelländische Molasse
Metamorphose
unmetamorph
Metamorphosefazies
-
Bemerkung zur Metamorphose
-

Referenzen

Erstdefinition
-
Neubearbeitung
Schlunegger Fritz (1995): Magnetostratigraphie und fazielle Entwicklung der Unteren Süsswassermolasse zwischen Aare und Limmat. , Inauguraldissertation Universität Bern, 185 S.
Wichtige Publikationen
-

Material und Varia

Anwendungen
-
  • «Oberaquitane Mergelzone» Detailanzeige

    Herkunft des Namens
    -
    Rang
    lithostratigraphisches Member
    Status
    inkorrekter Begriff (jedoch informell gebraucht)
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Mergelige, kennzeichnend karbonatreichere Ablagerung im Dach der Formation der Granitischen Molasse, bestehend aus einer fossilarmen Wechsellagerung von gelbgrauen, teils violettroten, gefleckten Mergeln und Mergelsandsteinen, feinkörnigen Kalksandsteinen und knollig anwitternden Mergelkalken.
    Alter
    spätes Aquitanien - spätes Aquitanien
    Mächtigkeit
    -
    Geografische Verbreitung
    Von Udligenswil (LU) über Robmatt (LU) gegen Meierskappel (LU). Östlich St. Gallen bis ins Rheintal. Bei Brendenbach (W Altstätten) und Gais schaltet sich diese Mergelzone zwischen Gäbris- und Forstzone.
    Typusregion
    Ostschweiz.
    Kommentar
    -
  • Marbach-Schichten Detailanzeige

    Herkunft des Namens

    Marbach (LU) [non Marbachgraben am Osthang des Belpbergs = OMM-II]

    Rang
    lithostratigraphische Formation
    Status
    unbekannter Status
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Grünlicher, blaugrauer und hell rötlicher, poröser, muskovitreicher, oft massiger, fein- bis grobkörniger «granitischer» Sandstein mit geringmächtigen bunten Mergelzwischenlagen, die häufig Kalkkonkretionen führen. Bezeichnend sind Bänke aus gelbbraunem mergeligem Süsswasserkalk. Selten kompakte Nagelfluhbänke mit hohem Gehalt an kristallinen Komponenten, hoher Porosität und einem rostig gelb verwitternden Bindemittel. Hingegen sind Geröllschnüre und -nester sowie rote bis bunte Tonsteinlagen in der gesamten Abfolge verteilt.
    Alter
    Aquitanien - Aquitanien
    Mächtigkeit
    Bis über 1000 m (Holliger 1955, Fröhlicher 1933).
    Geografische Verbreitung
    Östlich und westlich der Talung Marbach (LU) – Wiggen (LU), bei Schwarzenegg (BE).
    Typusregion
    -
    Kommentar
    -
  • Hombach-Member Detailanzeige

    Herkunft des Namens

    Hombach (BE), Schangnau

    Rang
    tektonisch-begrenzte lithostratigrafische Einheit
    Status
    informeller Begriff
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Abfolge aus leicht verwitterndem, bläulichem bis grünlichem, oft grobem und Kohle-führendem, «granitischem» Knauersandstein, weichem grauem Sandstein, buntem Mergel und polymikter Nagelfluh. Während die Nagelfluh geringmächtiger und stärker von Sandsteinlagen durchsetzt ist als die Nagelfluhen der Blueme-Honegg-Beichlen-Schuppe, unterscheidet sie sich von den Konglomeraten der mittelländischen Molasse deutlich durch ihren Geröllbestand, geringere Gerölldurchmesser und die enge Vergesellschaftung mit Sandstein.
    Alter
    spätes Chattien - spätes Chattien
    Mächtigkeit
    -
    Geografische Verbreitung
    Im Hombachtobel (BE), am Oberlauf des Rötebachs (BE)
    Typusregion
    Emmental (BE)
    Kommentar
    Nach der von Schlunegger (1995, S. 55) vorgenommenen Definition werden die Hombach-Schichten der Formation der Granitischen Molasse zugerechnet.
    • Fossilhorizont Hombachtobel Detailanzeige

      Herkunft des Namens

      Hombachtobel (LU)

      Rang
      biostratigraphischer Horizont
      Status
      lokaler Begriff (informell)
      Gültiger Name
      Kurzbeschreibung
      Fossilfundstelle im Hombach-Member, mit eine Säugetierfauna und Gastropoden des späten Chattiens (MP28 nach Engesser 1990).
      Alter
      spätes Chattien - spätes Chattien
      Mächtigkeit
      -
      Geografische Verbreitung
      -
      Typusregion
      -
      Kommentar
      -