«Appenzellergranit»-Leitniveau

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Darstellung, Status

Index
m4A
CMYK-Farbe
-
RGB-Farbe
R: 245 G: 215 B: 200
Rang
lithostratigraphische Bank
Gebrauch
Element ist in Gebrauch
Status
informeller Begriff
SKS-Notiz
-
SKS-Datum
-
Kommentar
Gilt auch als geröllpetrographisches Leitgestein der Thurtal-Schüttung im nordschweizerischen Quartär.

Nomenklatur

Deutsch

«Appenzellergranit»-Leitniveau

Französisch

Niveau repère de l'«Appenzellergranit»

Italienisch
Livello rettore del «Appenzellergranit»
Englisch

«Appenzellergranit» marker level

Herkunft des Namens

Appenzell (AI)

Historische Varianten
Hüllistein-Leitniveau (Escher von der Linth & Mousson 1862), Niveau des «Appenzeller Granites» = Hauptleitniveau (HLN) der OSM (Pavoni 1957), «Appenzellergranit» (Büchi 1960), Hüllistein horizon («Appenzellergranit») (Kälin & Kempf 2009).
Nomenklatorischer Kommentar
-

Synonyme

Synonyme
Nicht-Synonyme
Verwechslungsgefahr

Beschreibung

Beschreibung

„Das Leitniveau besteht, ähnlich wie die übrigen Sedimentgesteine der Hörnli-Schüttung, aus Konglomerat, Sandstein und Kalk, jedoch unterscheiden sich diese in diversen Punkten von der «normalen» Hörnlinagelfluh-Fazies (Bürgisser 1980). Die Gesteine des Leitniveaus zeichnen sich aus durch: eine hohe Festigkeit durch kalkiges Bindemittel (Zementierung mit Kalkschlamm), Geröllspektren, bei denen dunkle Kalke und Dolomite (obere Trias der ostalpinen Decken) dominieren (Fig. 9), Flysch-, Quarz- und Kristallinkomponenten jedoch weitgehend fehlen, matrixgestützte, z.T. feinkörnige Konglomerate und Feinbrekzien, eckige Karbonatkomponenten, Gradierung sowie gebankte laminierte Kalke (Kalkarenite/-lutite)." [Löpfe et al. 2012 S.34]

„Dieser einmalige und wichtigste, auf die Verschwemmung von Material eines alpinen Bergsturzes zurückzuführende Leithorizont innerhalb der OSM des Hörnli-Schuttfächers ist im Untersuchungsgebiet an verschiedenen Lokalitäten gut aufgeschlossen. Eine ausführliche Monographie dieses Niveaus hat Bürgisser (1980) erstellt. Das «Appenzellergranit»-Leitniveau besteht im Untersuchungs­perimeter aus einer 2 - 3 m dicken gebankten Schicht aus graubeigem Kalksilt­stein bis siltigem Kalkfeinsandstein, dem sogenannten Meilener Kalk (MK). Die konglomeratische Ausbildung (Hüllistein-Konglomerat) findet sich in diesem distalen Bereich des Hörnlischuttfächers nur an einer Lokalität im Sihltal bei der Station Sihlbrugg (Pavoni 1957, S.209).“ [Gubler 2009 S.19]

Geomorphologischer Ausdruck
Aufgrund der hohen Festigkeit bildet das «Appenzellergranit»-Leitniveau teilweise Schichtstufen und kleine Wasserfälle.
Mächtigkeit
max. 8 m (Löpfe et al. 2012).

Komponenten

Lithologien
  • Konglomerat (Psephite, Rudit) : grain > 2 mm (psephite / rudite: elements = gravel, boulder, block)
  • Siltstein
  • Kalkstein
  • Kalksandstein
  • Kalkarenit
Mineralien
-
Fossilien
-

Hierarchie und Abfolge

Hangendes
    -
Liegendes
Laterales Äquivalent
Obergrenze
-
Untergrenze
Die Obergrenze der OSM I liegt beim «Appenzellergranit»-Leithorizont, sodass die Basis des «Appenzellergranit»-Leitniveaus als Basis der OSM II betrachtet wird und zur Unterteilung der OSM in OSM I und OSM II dient.
Stratigraphische Diskussion
OSM-II ; Bürgisser (1980) unterscheidet anhand von zahlreichen Profilaufnahmen vier Fazies des «Appenzellergranit»-Leitniveaus, die sich lateral überlagern und als lithostratigraphische Einheiten nach ihrer geographischen Verbreitung (Abbaugebiete) benannt werden. Von SW nach NE sind dies der Meilener Kalk, das Hüllistein-Konglomerat, das Degersheim-Konglomerat (besser: Degersheim-Brekzie, Habicht 1987) und das Abtwil-Konglomerat. Über das gesamte Verbreitungsgebiet kann das Leitniveau infolge Erosion teilweise oder ganz durch bunte Nagelfluh der «normalen» Hörnli-Schüttung ersetzt sein.

Alter

Alter Top
Langhien
Bermerkungen zu Top
-
Alter Basis
Langhien
Bermerkungen zu Basis
-
Datierungsmethode

Das fossilfreie «Appenzellergranit»-Leitniveau stellt einen isochronen Leithorizont dar, der als Grenze zwischen OSM I (Burdigalien) und OSM II (Langhien–Serravallien) dient. Kempf et al. (1999) zogen diese Grenze jedoch noch etwas höher. Anhand von Kleinsäugerfundstellen im unmittelbar Liegenden bei Hüllistein und beim Martinsbrünneli (Bürgisser et al. 1983, Atlasblatt Stäfa) konnte das «Appenzellergranit»-Leitniveau biostratigraphisch datiert werden. Die beiden Faunen liegen im mittleren MN 5 (Kälin & Kempf 2009), das magnetostratigraphisch ermittelte Alter liegt bei ca. 16 Ma (Langhien, Kempf et al. 1997, Kempf & Matter 1999).

Fundstelle Aabach 3, Käpfnach bei Horgen (689575/232800): Aus dunkelgrauem, sandigem Schlammstein direkt im Liegenden des Meilener Kalkes (bzw. «Appenzellergranit»-Leitniveau) konnten diverse Kleinsäugerzähne isoliert werden, die dem mittleren MN5 zugeornet wurden (Bolliger 1998, Kälin & Kempf 2009).

Geografie

Paläogeografie
Vom SE-Rand des Molassetroges (Feldbach–Wädenswil) bis zur Lägern hin (Greppe).
Typusregion
-
Typlokalität
-
Typusprofil
-
Referenzprofile
-
Point of interest
-

Paläogeografie und Tektonik

Paläogeografie
Nordalpine Vorlandbecken,
Herkunftstyp
  • sedimentäre
Bildungsbedingungen
Das «Appenzellergranit»-Leitniveau stellt einen isochronen Leithorizont im proximalen Hörnli-Schuttfächer dar, der einem einmaligen Ereignis zugeordnet wird (Büchi & Welti 1950, Pavoni 1956, Hottinger et al. 1970, Bürgisser 1980). Während Büchi & Welti (1950) davon ausgingen, dass das Degersheim-Konglomerat und der Meilener Kalk sowie Teile des Hüllistein- und des Abtwil-Konglomerats das Resultat eines einzelnen, katastrophalen Murgangs infolge Auslaufens eines durch einen Bergsturz gestauten inneralpinen Sees war, postuliert Bürgisser (1980) mehrere kurz aufeinander folgende Murgänge (Schlammströme), die infolge Weitertransports des feinkörnigen Materials aus einem Bergsturz am damaligen Alpenrand entstanden. Dabei war das Ablagerungsmilieu teils terrestrisch, teils lakustrisch. Beim Abtwil-Konglomerat handelt es sich demnach um ein fluviatiles Rinnensediment mit einem Anteil an aufgearbeitetem Bergsturzmaterial. Das Hüllistein-Konglomerat besteht ebenfalls aus einem durch Flusstransport aufgearbeiteten Bergsturzmaterial, wurde jedoch hauptsächlich lakustrisch abgelagert, und zwar in mehreren Phasen während und nach der Ablagerung des Meilener Kalkes. Das Material des in einem ausgedehnten See sedimentierten Meilener Kalkes besteht aus feinem, detritischem Schlamm (Kalkarenit bis -lutit), welches dem Material der Matrix des Degersheim-Konglomerates ähnlich ist.
Sequenz
-
Tektonische Einheit (bzw. Überbegriff)
Mittelländische Molasse
Metamorphose
unmetamorph
Metamorphosefazies
-
Bemerkung zur Metamorphose
-

Referenzen

Erstdefinition
Pavoni Nazario (1957): Geologie der Zürcher Molasse zwischen Albiskamm und Pfannenstiel. , Vjschr. natf. Ges. Zürich 102, 117

S.252: 1. Das Niveau des «Appenzeller Granites« (Hüllisteiner Nagelfluh, Meilener Kalk, Meilener Sandstein) Wegen seiner grossen Ausdehnung in der OSM der Ostschweiz und in der Zürcher Molasse (s. Tafel V) möchte ich es als das «Hauptleitniveau» (HLN) der OSM im Bereich der Hörnlischüttung bezeichnen. Von Abtwil bei St. Gallen bis nach Feldbach am oberen Zürichsee, somit auf eine Erstreckung von 50 km, ist das Niveau vorwiegend durch die Hüllisteiner Nagelfluh charakterisiert, einen Nagelfluhhorizont, der durch seine dunkelgraue bis schwarze Farbe und seine Zähigkeit («Appenzeller Granit») schon früh auffiel und in der genannten Ausdehnung bereits von A. ESCHER VON DER LINDT und A. Mousson (1862) beschrieben worden ist. Eine weitere Merkwürdigkeit dieses Horizontes ist das Vorkommen von Brekzien im zentralen Teil des Hörnlifächers (J. J. FRÜH, 1888; H. TANNER, 1944) . Neuerdings wurde dieser Horizont von U. HÜ und G. WELTI (1950) beschrieben. Durch Annahme eines verschwemmten, gewaltigen inneralpinen Bergsturzes versuchen diese beiden Autoren eine plausible Erklärung für die Einheitlichkeit des Materials der Hüllisteiner Nagelfluh zu geben. Die Ursache für die weite Verschwemmung im Vorland draussen und die ausgezeichnete Verkittung der Nagelfluh ist nach unserer Auffassung darin zu suchen, dass ihre Schüttung in einen mehr als 1500 km2 grossen Flachsee erfolgte (N. PAVONI, 1956b). Eine Zweiphasigkeit der Schüttung besteht nach unserer Auffassung nicht. Ebensogut könnte dann eine Vielphasigkeit angenommen werden.

Wichtige Publikationen

Material und Varia

Anwendungen
-
Vergleich zwischen die vier Lithofazies des "Appenzellergranit"-Leitniveaus.
Vergleich zwischen die vier Lithofazies des "Appenzellergranit"-Leitniveaus.
  • Abtwil-Konglomerat Detailanzeige

    Herkunft des Namens

    Abtwil (SG)

    Rang
    lithostratigraphische Bank
    Status
    lokaler Begriff (informell)
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Konglomeratische Ausbildung des «Appenzellergranit»-Leitniveaus (Basisbank der OSM-II).
    Alter
    Langhien - Langhien
    Mächtigkeit
    -
    Geografische Verbreitung
    -
    Typusregion
    -
    Kommentar
    -
  • Hüllistein-Konglomerat Detailanzeige

    Herkunft des Namens

    Hüllistein bei Rüti (ZH)

    Rang
    lithostratigraphische Bank
    Status
    lokaler Begriff (informell)
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Konglomeratische Ausbildung des «Appenzellergranit»-Leitniveaus bestehend aus einer dunkelgrauen, zähen, schwarzen, im allgemeinen feinkörnigen Kalk-Dolomit-Nagelfluh, welche in Stromrinnen vorkommt. Lokal mit Brekzien-Vorkommen im zentralen Teil des Hörnlifächers.
    Alter
    Langhien - Langhien
    Mächtigkeit
    0 - 5 m (Pavoni 1957).
    Geografische Verbreitung
    Gesamter Hörnli-Schuttfächer (über mehr als 500 km2, mit einer lateralen Ausbreitung > 65 km), von Abtwil (SG) bis zum oberen Zürichsee (Sihltal, Glattbrugg).
    Typusregion
    -
    Kommentar
    -
  • Degersheim-Konglomerat Detailanzeige

    Herkunft des Namens

    Degersheim (SG)

    Rang
    lithostratigraphische Bank
    Status
    lokaler Begriff (informell)
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Konglomeratische Ausbildung des «Appenzellergranit»-Leitniveaus im Hörnli-Schuttfächer: Nagelfluh und grobe bis feine Brekzie mit weisslichem, hartem, kalkigem Bindemittel, sowie Kalk mit eingestreuten, feinbrekziösen, dunklen Komponenten.
    Alter
    Langhien - Langhien
    Mächtigkeit
    1 - 3 m (Hottinger et al. 1970).
    Geografische Verbreitung
    Gegen Westen bis Abtwil (1 km westlich von St. Josefen).
    Typusregion
    -
    Kommentar
    -
  • Meilen-Kalk Detailanzeige

    Herkunft des Namens

    Meilen (ZH)

    Rang
    lithostratigraphische Bank
    Status
    lokaler Begriff (informell)
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Gebankte Schicht bestehend aus graubeigem Kalksiltstein bis siltigem Kalksandstein bzw. hellgrauem, laminiertem Kalk (Kalkarenit/-lutit).
    Alter
    Langhien - Langhien
    Mächtigkeit
    0,3 - 2 m (Pavoni 1957) ; 2 - 3 m (Gubler 2009).
    Geografische Verbreitung
    Horgen (ZH), im Sihltal östlich Hausen a.A. (ZH) bei der Station Sihlbrugg, entlang dem linken Lindenbach- bzw. Wolserbachufer durch Obfelden (ZH) hindurch bis nach Wolsen (ZH), am Haselbach N Knonau (ZH), bei Mettmenstetten (ZH) entlang dem Trasse der Nationalstrasse A4.
    Typusregion
    -
    Kommentar
    -