Napf-Formation

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Darstellung, Status

Index
m4N
CMYK-Farbe
-
RGB-Farbe
R: 250 G: 225 B: 175
Rang
lithostratigraphische Formation
Gebrauch
Element ist in Gebrauch
Status
informeller Begriff
SKS-Notiz
-
SKS-Datum
-
Kommentar
-

Nomenklatur

Deutsch
Napf-Formation
Französisch
Formation du Napf
Italienisch
Formazione del Napf
Englisch
Napf Formation
Herkunft des Namens

Napf (BE)/(LU), Trub/Luthern

Historische Varianten
«Tortonien» auct., Napfschichten (Kaufmann 1872), Napf-Schichten (Habicht 1987), Napf beds (Kälin & Kempf 2009), Napf-Formation
Nomenklatorischer Kommentar
-

Synonyme

Synonyme
Nicht-Synonyme
Verwechslungsgefahr

Beschreibung

Beschreibung

„Die Napf-Schichten (Kaufmann 1872, 1886) sind eine vorwiegend aus Konglomeraten bestehende Abfolge, die in der Gegend des Napfs eine Mächtigkeit von über 700 m aufweist. Im Gebiet von Blatt Worb ist nur der untere Teil der Napf-Schichten zu finden. Unmittelbar östlich an das Kartengebiet anschlies­send, auf der Ostseite der Blasenflue, hat della Valle (1965) den untersten Teil der Napf-Schichten untersucht und als Hundschüpfen-Schichten bezeichnet.“ [Gruner 2001 S.23]

„Die fluvioterrestrischen und untergeordnet limnischen Napf- bzw. Hundschüpfen-Schich­ten zeichnen sich aus durch eine Wechsellagerung von polymik­ten Konglomeraten mit Sandsteinen und Arkosen, in welche Mergel- bzw. Schlamm­steinschichten und ‑linsen eingelagert sind. Die Sandsteine sind glimmerreich, mehr oder weniger grobkörnig und von grünlich-gelber bis blaugrauer Farbe. Die Mergel sind grün, grau oder gelb, z.T. mit bläulichen oder weinroten Flecken.

Die Konglomeratvorkommen können lateral rasch auskeilen. Typisch sind kleinräumige Wechsel mit Sandsteinen, was auf eine Ablagerung als Rinnenfüllungen schliessen lässt. Zudem finden sich häufig aufgearbeitetes Mergelmaterial in Form von Klasten und Gallen sowie vereinzelte Kalkkonkretionen.

Süsswasserkalke konnten z.B. südöstlich von Schwanden bei der Häusergruppe Schleifschür an der Abrisskante einer Rutschung gefunden werden (Koord. 619.930/203.290). Der dichte Kalk ist hell- bis graubeige gefärbt und führt weis­se Schalenreste von Planorben.“ [Gruner 2001 S.24]

Geomorphologischer Ausdruck
-
Mächtigkeit
Bis max. 700 m erhalten (Habicht 1987).

Komponenten

Lithologien
  • Konglomerat (Psephite, Rudit) : grain > 2 mm (psephite / rudite: elements = gravel, boulder, block)
  • Siltstein
  • Sandstein (Psammit, Arenit) : grains 1/16 mm - 2 mm
  • Mergelstein
Mineralien
  • Glimmer
Fossilien
  • Gastropoden
  • Helicideen

Hierarchie und Abfolge

Übergeordnete Einheit
Untergeordnete Einheiten
Hangendes
    -
Liegendes
Laterales Äquivalent
Obergrenze
-
Untergrenze
Die Untergrenze der Napf- bzw. Hundschüpfen-Schichten wird im Gebiet der Blasenflue gemäss della Valle (1965) durch einen fossilreichen, allerdings nur ca. 0.3 m mächtigen, braun-violetten Mergelhorizont gebildet, welcher die Faziesgrenze OMM/OSM darstellt. Wo eine solche Grenzschicht fehlt, kann die Grenze aufgrund von Fossilfunden (Süsswassergastropoden) oder des Auftretens von terrestrischen und limnischen Bildungen (Caliche, Süsswasserkalke) festgelegt werden. Sonst auch Schüpferegg-Nagelfluh als Liegendes.
Stratigraphische Diskussion
Aufgrund kleinräumiger Fazieswechsel nicht gliederbar.

Alter

Alter Top
Langhien
Bermerkungen zu Top
-
Alter Basis
spätes Burdigalien
Bermerkungen zu Basis

oberes Vindobonien («Tortonien») in Habicht 1987, siehe auch Matter 1964.

Datierungsmethode

Chronostratigraphisch reichen die Napf-Schichten vom oberen Burdigalien bis ins Langhien (Habicht 1987, Schlun­egger et al. 1996; siehe auch Mat­ter 1964).

Geografie

Paläogeografie
In der Gegend des Napfs (BE/LU), im Gebiet der Blasenflue (BE), im Schwändigraben (BE) südlich der Blasenflue, im hinteren und östlichen Talgraben (BE), südlich von Goldbach (BE), im Goldbachtal (BE), Schwanden (BE), Landiswil (BE).
Typusregion
Typlokalität
-
Typusprofil
  • Seeblibach (LU), ab Pulverhüsli flussaufwärts
    Merkmale des Ortes
    • lower boundary
    • typical facies
    • fossil site
    Zugänglichkeit des Ortes
    • river bed
    Koordinaten
    • (2642820 / 1203560)
    Notizen
    • Einziges +/- vollständiges Profil (inkl. Basismergelzone) nach Habicht 1987.
Referenzprofile
  • Hinter Eimätteli (LU)
    Merkmale des Ortes
    • lower boundary
    • fossil site
    Zugänglichkeit des Ortes
    • river bed
    Koordinaten
    • (2644650 / 1204550)
    Notizen
    • Habicht 1987: dunkle Mergel ; Typlokalität des basalen Eimätteli-Member
Point of interest
-

Paläogeografie und Tektonik

Paläogeografie
Nordalpine Vorlandbecken,
Herkunftstyp
  • sedimentäre
Bildungsbedingungen
Die typischen kleinräumigen Wechsel von Konglomeratvorkommen mit Sandsteinen deuten auf eine Ablagerung als Rinnenfüllungen hin. Dies, zusammen mit Fossilfunden (Süsswassergastropoden) und dem Auftreten von Kalkkonkretionen (Caliche) und Süsswasserkalken, lässt auf fluvioterrestrische und untergeordnet limnische Ablagerungsverhältnisse zur Zeit der Ablagerung der Napf-Schichten schliessen.
Sequenz
Die raschen lateralen und vertikalen Fazieswechsel in den Napf- bzw. Hundschüpfen-Schichten verunmöglichen eine Gliederung der Abfolge und die Korrelation zwischen einzelnen Profilen.
Tektonische Einheit (bzw. Überbegriff)
Mittelländische Molasse
Metamorphose
-
Metamorphosefazies
-
Bemerkung zur Metamorphose
-

Referenzen

Erstdefinition
Kaufmann F. J. (1872): Rigi und Molassegebiet der Mittelschweiz. , Beitr. Geol. Karte Schweiz 11, 541 S.

S.323: In den weiten Räumen zwischen dem Aargau, dem Napfgebiet und der gehobenen Molasse Luzern-Zug begegnen uns folgende Molasseglieder ... b) Die Napfschichten, im Centralgebiet fast ausschliesslich aus Nagelfluh bestehend, nach der Peripherie dagegen allmälig in Sandstein, seltener in Mergel übergehend.

Neubearbeitung
Habicht J. K. A. (1987): Schweizerisches Mittelland (Molasse). , Internationales Stratigraphisches Lexikon Vol.1 Fasc.7b

NAPF-SCHICHTEN (OSM ; «Tortonien») Kaufmann, F.J. (1872): Rigi und Molassegebiet der Mittelschweiz. - Beitr. geol. Karte Schweiz 11, p.323. Originalzitat: «In dem weiten Räume zwischen dem Aargau, dem Napfgebiet und der gehobenen Molasse Luzern-Zug begegnen uns folgende Molasseglieder ... b) Die Napfschichten, im Centralgebiet fast ausschliesslich aus Nagelfluh bestehend, nach der Peripherie dagegen allmälig in Sandstein, seltener in Mergel übergehend.» Synonyma: >>>Hundschüpfen-Schichten della Valle 1965: 122 (= unterste 118m der Napf-Sch.), mit nur geringmächtiger Basismergelzone. Typlokalität und Typprofil: Napf, LK-Blatt 1169 Schüpfheim, Koord. 638.140/206.000. Für ein vollständiges Typusprofil käme der Seeblibach (LK-Blatt 1169 Schüpfheim) in Frage. Für die basalen Teile s. Referenzprofile della Valle (Typusprofil >>> Hundschüpfen-Schichten) und Matter (Profil Basismergelzone der Napf-Schichten). Profilausschnitt aus basalen Napf-Schichten bei v. Salis 1967: 85. Infolge Erosion des oberen Teils der Napf-Schichten in den randlichen Gebieten sind vollständige Referenzprofile hier nicht möglich. Lithologie: Im zentralen Napfgebiet 80 m bis 100 m Basismergelzone (Fröhlicher's Basismergelband), eine Folge von grünlichen Siltsteinen und untergeordneten Sandsteinen, Mergeln und ophiolith-geröllreicher Nagelfluh (Matter 1964: 332, 386), darüber ca. 600 m Wechsellagerung mächtiger Nagelfluhbänke vom Napf-Typus (>>> Napf-Nagelfluh) und vorwiegend bunten Mergeln; ferner schlecht sortierte Sandsteine mit Karbonatgehalten um 40% und Einlagerungen kohliger Mergel. In grösserer Entfernung vom Schuttfächerzentrum ESE Wolhusen stärkere Beteiligung von Sandstein und Mergel am Gesamtprofil. Der Schwermineralbestand zeichnet sich durch eine extreme Epidotvormacht aus. Mächtigkeit: Maximale, erhaltene Mächtigkeit: ca. 700 m. Stratigraphischer Verband: Liegendes: >>> Schüpferegg-Nagelfluh, Hangendes: erodiert. Die Liegendgrenze ist zumindest zwischen Emmental und dem Tal der kleinen Emme bei Entlebuch horizontbeständig. Verbreitung, Fazies und Paläogeographie: Nach W noch bis auf die Westseite des Emmentals (>>> Hundschüpfen-Schichten). Im N in Relikten noch in Jurasynklinalen (e.g. Sorvilier N Biel). Das Ablagerungsmilieu ist fluviatil-terrestrisch, limnische (s.str.) Mergelbänder nur als dünne Einschaltungen. Nordöstlich der Linie Willisau-Wolhusen-Malters besteht die OSM hauptsächlich aus glimmerhaltigen Sandsteinen, Mergelsandsteinen und Mergeln (>>> Albis-Schichten). Wenig weiter S, im Tal der kleinen Emme, ist für die dort aufgeschlossenen basalen Teile der Napf-Schichten ein leicht brackisches Ablagerungsmilieu nicht auszuschliessen (Funde von Fischresten, vgl. v. Salis 1967: 35, 37, 45, 50, Karte). Die Fisch-Otolithe lassen keine Beziehungen zum Wiener Becken erkennen, wohl aber zu (aquitanen) Arten des Oberrheingrabens (v. Salis 1967: 50). Fossilinhalt und Alter: Die Napf-Schichten sind relativ reich an dunkelgrauen, kohligen, sandigen Mergeln, die oft Gastropoden führen. In den basalen Teilen der Napf-Schichten finden sich die folgenden Fundstellen mit altersbestimmenden Säugerresten: Pulverhüsli/Glashüttli, LK-Blatt 1169 Schüpfheim, Koord. 642.650/203.490 (rostrot und grün gefleckte Mergel) und W Hinter Eimättili, LK-Blatt 1169 Schüpfheim, Koord. ca. 644.650/204.550 (dunkle Mergel): Anomalomys gaudryi Gaillard, Dryomys hamadryas Major, Cricetodon breve Schaub Diese beiden Fundstellen befinden sich in der Basismergelzone der Napf-Schichten: Die Fauna weist auf oberes Vindobonien («Tortonien»), vgl. Matter 1964: 334, 335. In wahrscheinlich stratigraphisch nur wenig höherem Niveau auf Gebiet von LK-Blatt 1149 Wolhusen befinden sich die beiden Fundstellen Grabenhüsli (= Schwanderholzwald), Koord. 648.470/209.570 und Schofgraben, Koord. 651.600/210.280. Den wertvollsten Beitrag zur altersmässigen Einstufung lieferte in diesem Gebiet die Fundstelle Grabenhüsli, vgl. v. Salis 1967: 35-37: Cricetodon minus Lartet, Cricetodon gregarium Schaub, Cricetodon helveticum Schaub, Cricetodon breve Schaub Nach Hürzeler handelt es sich dabei ebenfalls um oberes Vindobonien im Sinne von H. G. Stehlin. Diese Stufe wurde nach landesüblicher Weise in der neueren Literatur als «Tortonien» bezeichnet: in jüngster Zeit hat sich nun herausgestellt, dass die schweizerische OSM beträchtlich älter ist als Tortonien; nach neuer Auffassung gehören die erwähnten Fundstellen in die Nähe der Grenze Untermiozän-Mittelmiozän (Säuger-Einheit MN5 = Referenz-Fauna von Vermes-1). Nach Gastropoden handelt es sich um Silvana-Schichten (Baumberger 1927c). Vollständige Fossillisten bei Matter 1964: 334, 335 und v. Salis 1967: 35-50. Literatur: Baumberger 1925a: 169, 1927c: 148-163, 1929: 298-300; Engesser et al. 1981: 893; Fröhlicher 1933: 4, 11, 18, 19, 60; Gerber 1950b: 45-51; Haldemann 1948: 21, 22, 51; Kaufmann 1872: 235, 285, 330, 340, 1886: 561-563; Liechti 1928: 3-5, 7, 20, 25, 26; Matter 1964: 324, 325, 332-338, 372, 380, 381, 386, 388, 396, 405, 408, 410, 413, 418; von Salis 1967:11,16,32,34-50,75,77,78,82,84,85,87,89,93,96-98; della Valle 1965: 122 ff., 174.

Wichtige Publikationen
-

Material und Varia

Anwendungen
-
  • «Hundschüpfen-Schichten» Detailanzeige

    Herkunft des Namens

    Underi Hundschüpfe (BE), auf der Ostseite der Blaseflue

    Rang
    lithostratigraphisches Member
    Status
    informeller Begriff
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Unterster Teil der Napf-Schichten bestehend aus einer durch rasche Fazieswechsel gekennzeichneten Wechsellagerung von polymiktem Konglomerat mit grünlich-gelbem bis blaugrauem, grobkörnigem Sandstein und Arkose. Eingelagert finden sich grüne, graue oder gelbe Mergel- bzw. Schlammsteinschichten und -linsen. Gelegentlich tritt ein 0.3 m mächtiger, braun-violetter Mergelhorizont an der Basis auf. Vorkommen von aufgearbeiteten Mergelklasten und -gallen, Kalkkonkretionen (Caliche), Süsswasserkalken und Süsswassergastropoden.
    Alter
    Burdigalien - Burdigalien
    Mächtigkeit
    118 m
    Geografische Verbreitung
    In der Gegend des Napfs (BE/LU), im Gebiet der Blasenflue (BE), im Schwändigraben (BE) südlich der Blasenflue, im hinteren und östlichen Talgraben (BE), südlich von Goldbach (BE), im Goldbachtal (BE), Schwanden (BE), Landiswil (BE).
    Typusregion
    -
    Kommentar
    -
  • Eimätteli-Member Detailanzeige

    Herkunft des Namens

    Hinter Eimätteli (LU)

    Rang
    lithostratigraphisches Member
    Status
    informeller Begriff
    Gültiger Name
    Kurzbeschreibung
    Hellgrauer, siltiger, muskovitreicher Mergel an der Basis der OSM, mit meter-mächtigen Ophiolith-führenden Konglomeratlagen. Gilt als Leithorizont zwischen Schüpferegg- (unten) und Napf-Nagelfluh (oben).
    Alter
    spätes Burdigalien - spätes Burdigalien
    Mächtigkeit
    -
    Geografische Verbreitung
    -
    Typusregion
    -
    Kommentar
    -
    • Blapbach-Kohleflöz Detailanzeige

      Herkunft des Namens

      Blapbach (BE)

      Rang
      lithostratigraphische Bank
      Status
      lokaler Begriff (informell)
      Gültiger Name
      Kurzbeschreibung
      Regionaler kohlenführender Leithorizont an der Basis der OSM des Napfgebietes. Tritt mit Mergel und Süsswasserkalk in der nagelfluh-reichen Abfolge vor.
      Alter
      Burdigalien - Burdigalien
      Mächtigkeit
      -
      Geografische Verbreitung
      W-Teil des Napf-Schuttfächers.
      Typusregion
      W Napfgebiet (BE)
      Kommentar
      -
    • Fossilhorizont Grabenhüsli Detailanzeige

      Herkunft des Namens

      Grabenhüsli = Obergrabehüsli (LU) im Schwanderholzwald

      Rang
      biostratigraphischer Horizont
      Status
      lokaler Begriff (informell)
      Gültiger Name
      Kurzbeschreibung
      Säugerfundstelle in wahrscheinlich stratigraphisch nur wenig höherem Niveau als das Fossilhorizont Pulverhüsli.
      Alter
      spätes Burdigalien - Langhien
      Mächtigkeit
      -
      Geografische Verbreitung
      -
      Typusregion
      -
      Kommentar
      -
    • Fossilhorizont Pulverhüsli Detailanzeige

      Herkunft des Namens

      Pulverhüsli (LU) am Seeblibach

      Rang
      biostratigraphischer Horizont
      Status
      lokaler Begriff (informell)
      Gültiger Name
      Kurzbeschreibung
      Rostroter und grüner Mergel mit Säugerreste an der Basis der OSM.
      Alter
      spätes Burdigalien - Langhien
      Mächtigkeit
      -
      Geografische Verbreitung
      -
      Typusregion
      -
      Kommentar
      -